IM HUNDEKINDERGARTEN

Ich radle oft an einem Hundehort vorbei. Kein schöner Ort: ein umzäunter Platz, im Norden von einer Ausfallstraße begrenzt, immerhin unter Bäumen. Voller trauriger, stummer Vierbeiner. Wenn es regnet oder kalt ist, tragen die Tiere festgezurrte Umhänge oder Hundemäntel, die wie teure Kinderkleidung aussehen. Der Hort ist in drei gleich große Bereiche aufgeteilt: in zweien hockt jeweils ein einzelner Hund, im dritten alle anderen, verschiedener Rassen und Größen. Gemeinsam spielen tun sie nicht. Fast alle stehen einfach rum und schauen auf das Tor, an dem sie am frühen Morgen abgegeben wurden, warten geduldig auf die Rückkehr ihrer Besitzer. Manche werden gegen 16 Uhr abgeholt, andere erst gen Abend. Sie tun mir leid. Nirgends ein ruhiges Plätzchen zum Hinlegen und Schlummern, den ganzen Tag donnert der Straßenverkehr an ihnen vorbei.
Manchmal bleibe ich stehen und beobachte die Wiedersehensfreude, wenn das Warten endlich ein Ende gefunden hat. Einmal sprach mich eine Mittdreißigerin an. Froh wäre sie, dass ihr Hund hier Spielkameraden hätte, und dass er nicht in der Wohnung hocken müsse, während sie im Büro ist. Ihr Hund war der mittelgroße weiße Pudelmischling, der trotz des engen Platzes und schlammigen Bodens immer makellos weiß blieb. „Arbeiten Sie nicht im Homeoffice?“, wollte ich wissen, und sie sagte „Doch, schon, aber das Tier langweilt sich mit mir allein, es schläft die meiste Zeit über … Also bringe ich es hierher“.
Warum schaffen Menschen sich Hunde an?